Meine Freundin Mellie
Am Sonntag, den 10. Mai – Muttertag – durfte sie dann endlich gehen. Noch genau drei Wochen und sie wäre, dank der vortrefflichen Versorgung ihres Körpers, 101 Jahre alt geworden. Mellie und ich trafen uns das erste Mal vor ungefähr 10 Jahren und wurden Freundinnen. Einst hat sie mich gefragt, ob ich einmal etwas über sie schreiben würde. Das möchte ich jetzt tun.

Nachdem ich Mellie in einem Traum kennengelernt hatte, suchte ich sie in ihrem Wohnort Bussum auf. Sie verstand direkt die Bedeutung unseres Zusammentreffens, das auf solch eine Art zustande gebracht wurde und beruhigte damit meine innerliche Unruhe und Unsicherheit.
Mellie und ihr Haus waren alt und alles was ich dort erblickte, hatte eine Geschichte. Ich sehe jetzt noch die Teekanne auf ihrem Tisch, die schon so oft geklebt wurde, daß ich mir nur schwer vorstellen konnte, daß sie tatsächlich dicht war. Sie lachte nur und erklärte mir, daß sich ganz liebe Menschen darum kümmern würden.
In ihrem Haus war eine besondere Wärme und man konnte sich dort ein eigenes Plätzchen machen, wo es einem erlaubt wurde, ja sogar gewünscht wurde, die Zeit zu verlassen. Überall lagen hohe Stapel Papier, Bücher, Briefe und Notizzettel. Ich dachte oft, daß ich mich in einer Art Werkstatt oder Labor eines großen Gedankenschlosses befände. Und das war meine Welt. Ein Mal, manchmal sogar zwei Mal, in der Woche ging ich zu ihr.
Wir machten Spaziergänge, gingen zum Supermarkt einkaufen oder wir saßen bei ihr im Haus oder Garten mit herrlichem Kräutertee. Zum Supermarkt war es übrigens ein ganz schönes Stück zu Fuß und Mellie betrachtete dies als ihr tägliches Konditionstraining. Der Körper sollte und mußte nun einmal bewegt werden, anders würde er faul werden. Ehrlich gesagt war ich manchmal erleichtert als ich ein Bänkchen erblickte. Sie dachte das Selbe und beim Hinsetzen fing sie an sich für ihren schon etwas älter werdenden Körper von 92 Jahren zu entschuldigen. Lachend sagte ich, mit meinen damals 36 Jahren, daß sie einen perfekten Körper habe und doch lediglich mir einen Gefallen täte.
Am Valentienstag 2003 saßen wir wieder auf so einem Bänkchen in Bussum. An diesem Tag war es außerordentlich warm und die Sonne schien uns ins Gesicht. Wir genossen diese ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres und es war damals, daß wir zusammen die Erde verließen und unsere erste gemeinsamme Reise machten. Als wir zurück kehrten, sahen wir uns an und lachten. Wir wußten in dem Moment beide, daß es absolut nicht das erste Mal gewesen war, daß wir gemeinsam an etwas Größerem arbeiteten.
Mellie war vorsichtig was das Schließen von Freundschaft betraf. Sie tastete sich mit viel Respekt und einer abwartenden Haltung zu dem Anderen hin. Nur wenn sie ein gutes Gefühl hatte, begann sie sich dem anderen Menschen gegenüber zu öffnen und wollte dann auch mehr von ihm und seinen Erfahrungen wissen. Sie konnte sich in mir erkennen und bewunderte meine Kraft und mein Temperament und ich bewunderte ihre Ruhe und ihre friedliche Ausstrahlung. Während der Zeit, die wir hier zusammen verbracht haben, führten wir zahllose Gespräche und machten viele Reisen, wodurch unsere Erkenntnisse außerordentlich bereichert wurden.
Sie schrieb darüber dann meistens auch etwas in ihrer Zeitschrift ´Kaarsvlam` (Kerzenflamme). Eines Tages schlug sie vor, daß auch ich für ihre Zeitschrift schreiben sollte. Und so ließ sie mich immer ein Stückchen näher zu sich und ihrer Arbeit kommen, was mein Selbstvertrauen sehr gestärkt hat und wofür ich ihr sehr dankbar bin.
Manchmal nahm ich sie mit zu uns nach Hause und sie übernachtete bei uns. Wir brauchten dann nie den Wecker zu stellen, weil sie morgens, wenn sie wach war anfing zu singen und sie hatte eine ausgezeichnete Stimme. Ich muß heute noch schmunzeln über diese ganz besondere Art sich zu erkennen zu geben. Während dieser Zeit sagte sie mir, daß die Erdenmutter sie los gelassen habe und obwohl sie überhaupt nicht bereit war zu gehen, fühlte sie, daß das Ende ihrer Reise nahen.
Im Jahre 2005 haben wir noch gemeinsame Lesungen in Tiel gegeben, aber das wurde dann doch zu viel für sie. Es kostete sie viel Energie, in den innerlichen Strom zu kommen und darin zu verweilen. Als Mellie sich das erste Mal die Hüfte brach, blieb die Angst in ihr, daß es nochmals passieren könnte. Seit dem richtete sie ihre gesammte Aufmerksamkeit nur noch auf ihr irdisches Dasein.
Ich bin froh, daß sie bei der Neueröffnung ihres geliebten Landhauses Oasis am 4. Juni 2006 noch dabei sein konnte. Doch es wurde sehr deutlich, daß ihre Aufgabe, anderen Nahrung zu geben vollbracht war. Anscheinend hatte sie noch eine andere Aufgabe zu erfüllen und pflichtbewußt wie sie nun einmal war, tat sie das auch.
Nach der zweiten Hüftoperation, von der sie sich ebenfalls schnell erholte, war es für sie deutlich, daß sie nicht mehr alleine wohnen konnte. Das Leendert Meeshuis in Bilthoven wurde ihr Wartezimmer, so nannten wir lachend das Altenheim. Mit dieser Wahl, die der Himmel für sie nun einmal getroffen hatte, war sie ganz und gar nicht zufrieden, doch gab sie vertrauensvoll nach. Nichts tun zu können und sich von anderen ´bedienen´ zu lassen, wurde eine besonders schwere Lektion für sie. Anfangs hatten wir noch eine zeitlang unsere Verbindung in der wir uns austauschen konnten und ich massierte noch ihren Rücken, was ich jahrelang getan hatte. Doch dies wurde immer weniger und ihr Gedächtniss immer schlechter. Mellie war dann doch viel mehr in anderen Gebieten, wo sie anscheinend noch etwas bereinigen mußte. Ich verstand das alles, doch es war mir schwer, sie so zu sehen. Innerlich winkten wir uns nur noch und das letzte Mal das wir uns sahen, ließ ich sie auch wissen das es das letzte Mal war.
Als ich am Sonntag zu ihr fuhr, sah ich von der Ferne schon einen großen, breiten Lichtkranz um das Altenheim. Ich durfte noch gerade dazu kommen. Sie hatte mittlerweile schon aufgehört zu atmen und wurde festlich begrüßt. Ich legte einen kleinen Strauß vom getrocknetem Lavendel unter ihr Bett und wünschte ihr noch eine gute Reise. Und weg war sie … unglaublich, wie schnell das geht; sie hatte es geschafft, alles war fertig geworden.
In all den Jahren habe ich mich schon sehr oft von ihr verabschiedet. Jeden Winter verlor sie ein Stück von ihrer Kraft und sobald es wieder Frühling wurde war sie froh, daß sie das Stück das übrig geblieben war, wieder entfalten konnte. Aber dieser Abschied ist mir besonders schwer gefallen.
Es war ihr Wunsch, ihr Verscheiden als ein Befreiungsfest zu feiern. Sie freute sich schon auf die neue Reise und wenn wir zuletzt noch Gespräche führten, dann ging es immer nur um das eine Thema: wann sie endlich gehen konnte, wann sie aus dem Wartezimmer in den Zug einsteigen konnte, wann sie endlich befreit werden würde, erlöst aus dem Stoff, aus der Materie. Aber darauf hatte ich keine Antwort.
Mellie war eine besondere Frau, in jegliche Hinsicht. Ich habe viel von ihr lernen können und wir haben viel miteinander gelacht, auch geweint. Sie besaß unwahrscheinlich viel Kraft an der ich reifen durfte und wofür ich dankbar bin. Ihre Aufgabe, Wissen zu übertragen, hat sie sicherlich erfüllt. Sie hat viele Bücher geschrieben, unter anderem über Astrologie, ein Kräuterlexikon (über 1 Million verkauft), Steine, Märchen, den Lebensrhythmus, das Christentum und die Liebe. Sie hat mehr als 60 Jahrgänge ihrer Zeitschrift Kaarsvlam gefüllt, die früher monatlich erschien. Sie hat so viel geschrieben, wovon noch nicht alles veröffentlicht ist.
Sie war sehr inspirierend und nahm ihre Aufgabe ernst und setzte sich dafür voll ein, wobei sie nur ihrer Intuition folgte. Sie hat uns allen eine vorbildliche Rolle vorgelebt, nämlich daß das Lebensalter nicht einschränkend zu sein braucht und daß es sicherlich nichts über einen Menschen aussagt; sondern lediglich das, was dieser getan hat. Als sie ihr Landhaus Oasis kaufte war sie über 70 Jahre und hielt dort Wochenendkonferenzen ab. Mit 96 Jahren ärgerte sie sich sehr über die alten Leute (die sicherlich 20 Jahre jünger waren als sie) in dem Reha-Zentrum, die nur in den Fernseher sahen und sich kaum noch bewegten, während sie noch immer täglich ihre Spaziergänge machte.
Was für die Raupe das Ende der Welt ist,
nennt der Meister einen Schmetterling. (R. Bach)
Sie wohnt in meinem Herzen und wir bleiben verbunden.
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Heidrun Astrologie
Du hast das Recht völlig glücklich zu sein. Glücklich sein mußt du dir nicht erst verdienen. Es ist der normale Zustand deines Wesens und es ist dein Geburtsrecht, genauso wie die Entscheidungsfreiheit !

Hallo Engel,
… schön geschrieben!
Danke für Deine Worte gestern abend. Sie haben ihren Zweck erfüllt…
Liebe Grüße